EVENSONG

DONNERSTAG, 16. MAI 2013, 18:00 UHR

PATER VIKTOR HOFSTETTER OP

Dominikanerpater

HEINZ SPECKER

Orgel

Jahresthema 2013: «Christliche Philosophen und Denker»

Hl. Thomas von Aquin - «Wenn der stumme Ochse zu singen beginnt»

 

Orgelwerke von Nicolas de Grigny

Pange Lingua - Veni Creator Spiritus


Thomas von Aquin, auch der „Aquinat“ bzw. nur „Thomas“ genannt, wurde ca. 1225 im Schloss Roccasecca bei Aquino als siebter Sohn des Grafen Landulf von Aquino und Donna Theodora, Gräfin von Teate, geboren. Mit fünf Jahren wurde er als Oblate in das Benediktinerkloster Montecassino geschickt, wo der Bruder seines Vaters, Sinibald, als Abt wirkte. Thomas‘ Familie folgte damit der Tradition, den jüngsten Sohn der Familie in ein geistliches Amt zu geben. Es lag im Interesse der Familie, dass Thomas seinem Onkel nachfolgte. Von 1239 bis 1244 studierte er im Studium Generale der Universität Neapel. 1244 trat er gegen den Willen seiner Verwandten bei den Dominikanern ein, die 1215 als Bettelorden gegründet worden waren. Um Thomas dem Einfluss seiner Eltern zu entziehen, sandte der Orden ihn zunächst nach Rom und dann nach Bologna. Auf dem Weg dorthin wurde er jedoch von seinen im Auftrag der Mutter handelnden Brüdern überfallen und für kurze Zeit auf die Burg Monte San Giovanni Campano und anschließend nach Roccasecca gebracht. Von Mai 1244 bis Herbst 1245 hielt ihn seine Familie fest. Da Thomas fest in seinem Entschluss blieb, Dominikaner zu bleiben, gab die Familie nach und ließ ihn in den Dominikanerkonvent von Neapel zurückkehren.

An der Universität Paris studierte er von 1245 bis 1248 bei Albertus Magnus, dem er dann nach Köln folgte. Von 1248 bis 1252 war er dort Student und Assistent des Albertus. Ab 1252 war er wieder in Paris, wo von 1252 bis 1256 als Sentenzenbakkalareus erste eigene Lehrveranstaltungen über die Sentenzen des Petrus Lombardus hielt. Von 1256 bis 1259 lehrte er in Paris als Magister der Theologie. 1259 kehrte er nach Italien zurück und lehrte zunächst in Neapel (was allerdings nicht gesichert ist) und dann 1261 bis 1265 als Konventslektor des Dominikanerkonvents in Orvieto. Von 1265 bis 1268 war er Magister in Rom, wo er mit der Abfassung der Summa Theologiae begann. Von 1268 bis 1272 lehrte er zum zweiten Mal als Magister in Paris. In dieser Zeit entstanden besonders viele seiner Schriften, unter anderem der größte Teil der Summa Theologiae und die meisten seiner Aristoteles-Kommentare. Im Frühjahr 1272 verließ er Paris. Von Mitte 1272 bis Ende 1273 unterrichtete er als Magister in Neapel.

Der schier unglaublichen Menge seiner Schriften nach zu urteilen liegt es nahe, dem Zeugnis seines Hauptsekretärs zu glauben: Demnach hat der Aquinat drei oder vier Sekretären gleichzeitig diktiert.
Thomas starb am 7. März 1274 auf der Reise zum Zweiten Konzil von Lyon im Kloster Fossanova. Dante deutet an, dass Karl I. von Anjou für seinen Tod verantwortlich gewesen sei. Villani teilt ein Gerücht mit („si dice“: „man sagt“), demzufolge Thomas von einem Arzt des Königs mit vergiftetem Konfekt ermordet wurde. Nach dieser Darstellung handelte der Arzt zwar nicht im Auftrag des Königs, aber in der Absicht, ihm einen Gefallen zu erweisen, weil er befürchtete, dass ein Mitglied aus dem Geschlecht der gegen Karl rebellierenden Grafen von Aquino in den Kardinalsrang erhoben werden sollte. In unterschiedlichen Versionen, die meist Karl die Verantwortung zuschreiben, wurde das Gerücht vom Giftmord auch in den frühen lateinischen und volkssprachlichen Dantekommentaren kolportiert, die in der Zeit nach Dantes Tod entstanden. Tolomeo da Lucca, ein ehemaliger Schüler und Beichtvater des Aquinaten, spricht in seiner Historia ecclesiastica nur von einer schweren Erkrankung auf der Reise bei der Ankunft in Kampanien, bietet jedoch keinen Hinweis auf eine unnatürliche Todesursache. Papst Johannes XXII. sprach Thomas 1323 heilig. 1567 wurde er in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben. Seine Gebeine wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse überführt, wo sie seit 1974 wieder in der Kirche des Dominikanerklosters Les Jacobins ruhen. Von 1792 bis 1974 waren sie in der Basilika Saint-Sernin der gleichen Stadt bestattet.

Nicolas de Grigny
, geboren 1672 in Reims, gestorben 1703 ebenda, war ein französischer Organist und Komponist.
Von seinen Werken, die auch Johann Sebastian Bach bewunderte, hat sich vor allem das Livre d‘orgue erhalten. Aus zwei Teilen bestehend, umfasst der erste eine Orgelmesse, der zweite fünf Hymnen, darunter das “Pangue Lingua” und das „Veni, Creator Spiritus“. De Grignys Musik zeichnet sich gleichermaßen durch barocken Glanz und kontemplative Ruhe aus. Sein Stil, geprägt von archaischem Ausdruck und grossartiger Polyphonie, macht ihn zum aussergewöhnlichsten Komponisten der französischen barocken Orgelmusik.

 

 

Fr. Viktor Hofstetter OP hat von seinen fast 50 Jahren als Predigerbruder (offizielle Bezeichnung des Dominikanerordens : Ordo Praedicatorum, OP) mehr als die Hälfte in Zürich gelebt. Von 1976-1990 war er als Religionslehrer an den Kantonsschulen und gleichzeitig auch 10 Jahre als Provinzial der Schweizer Dominikaner tätig. Von 1990-2001 wirkte er im Dienste des weltweiten Dominikanerordens als sog. Promotor des kontemplativen Lebens.
Seit 2002 ist er Vikar an der Mission catholique de langue française an der Hottingerstrasse hier in Zürich.

 

Heinz Specker ist in Biel geboren, dort und teilweise auch in der Ostschweiz aufgewachsen. Er studierte Orgel an den Musikhochschulen Winterthur und Toulouse bei Rudolf Meyer und Xavier Darasse, und Musiktheorie an der Musikhochschule Zürich bei Hans-Ulrich Lehmann.
Zahlreiche Meisterkurse und Seminare, u.a. bei Marie-Claire Alain, T. Koopman, B. Lagacé, sowie Studien in Musikwissenschaft an der Universität Zürich vervollständigen seine Ausbildung.
Seit 1988 ist er Organist von St. Anton in Zürich und Leiter und Professor der Schule für Musiktheorie Zürich SMZ, einer Ausbildungsstelle der Fachhochshule SAMP/Kalaidos.