KONZERT

SONNTAG, 22. NOVEMBER 2020, 18:15 UHR

DR. AGNIESKA TARNAWSKA

Orgel

 

Feliks Nowowiejski                 Aus der 3. Symphonie Op. 45: Toccata

1877 - 1946


Max Reger                               Aus der 2. Sonate D-Moll Op. 60: Invocation
1873 - 1916


Camille Saint-Saëns                Cyprès Op. 156
1835 - 1921


Louis Vierne                            4. Symphonie G -Moll Op. 32

1870 -1937                                        1. Prélude

                                                          2. Allegro

                                                          3. Menuet

                                                          4. Romance

                                                          5. Final


Eintritt frei – Kollekte


Nächstes Konzert: Sonntag 20. Dezember 2020 18.15 Uhr

Heinz Specker, Orgel

Werke von Sigfrid Karg-Elert und Charles-Marie Widor

 

 

Trotz der Coronakrise möchten wir unsere Konzerte weiterführen. Musik tut uns allen gut! Darum sind wir darauf angewiesen, dass Sie unser Corona-Schutzkonzept mittragen! Bitte beachten Sie deshalb die diesbezüglichen Hinweise: Abstand halten, Maskentrag-pflicht und nicht mehr als 50 Personen im Kirchenschiff. Für Ihr Verständnis danken wir Ihnen!

 

Frau Dr. Agnieszka Tarnawska wurde 1986 in Lubin (Polen) geboren. Sie beendete mit Auszeichnung ein Master-Studium in Posen in der Orgelklasse von Prof. Slawomir Kaminski und in der Cembaloklasse von Prof. Maria Banaszkiewicz-Bryla. Während ihres Studiums erhielt sie zweimal ein Stipen-dium des Polnischen Ministeriums für Kultur. Ihre künstlerische Ausbildung setzte sie in Deutschland fort – zuerst als Stipendiatin des DAAD in der Orgel-klasse von Prof. Arvid Gast in Lübeck (2011-2013), danach in Hamburg im Rahmen des Konzertexamens unter der Leitung von Prof. Wolfgang Zerer (2013-2016). Sie ist Preisträgerin mehrerer internationalen Orgelwettbewerbe: in 2010 erhielt sie den 2. Preis beim 4. Internationaler F. Nowowiejski Orgelwettbewerb in Posen (Polen), in 2010 den 2. Preis beim 18. Internationalen Leos Janacek Wettbewerb in Brünn (Tschechien), in 2013 den 2. Preis beim 8. Internationalen Orgelwettbewerb in Korschenbroich und in 2017 den 1. Preis beim 15. César Franck Orgelwettbewerb in Haarlem. In 2019 erwarb sie mit einer Dissertation über die Tastenmusik von Gottlieb Muffat einen Doktortitel.


Zur Orgel in St. Anton

Ein einzigartiges Instrument

1914 von der Firma Kuhn AG aus Männedorf mit 52 klingenden Registern auf drei Manualen und Pedal gebaut, ist die Orgel von St. Anton, Zürich, eine für die damalige Zeit typische Vertreterin des spätromantischen symphonischen Stils. Orgeln dieser Art standen seinerzeit nicht nur in Kirchen und Konzerthallen, sondern wurden auch in den neu gegründeten Kinosälen zur dramatischen Untermalung der Handlung verwendet. Aus naheliegenden Gründen konnte 1914 das bereits geplante Fernwerk nicht mehr gebaut werden. Durch die sogenannte ‚Orgelbewegung’ geriet dieser Typus im Laufe des 20. Jahrhunderts immer stärker unter Kritik. Viele symphonische Instrumente wurden ersetzt oder im Sinne einer besseren Adaption für barocke Werke umgebaut. 1947 geschah dies auch mit unserem Instrument, wenn auch nur geringfügig. Diese Veränderung führte aber dazu, dass die eigentliche Kernsubstanz der Orgel nicht mehr wahrgenommen werden konnte: Das innere Gleichgewicht war gestört. Nach langer Wartezeit, im welcher zahlreiche Expertisen eingeholt wurden, welche übrigens in überwältigender Mehrheit für einen Abriss plädierten, wurde das Instrument Jahre 2002 nach einer internationalen Rettungsaktion von der Firma Kuhn Orgelbau aus Männedorf in beispielhafter Art wieder in den Originalzustand zurückversetzt. Sie ist eines der letzten integral erhaltenen Instrumente dieses Typus und im weiten Umkreis von Zürich gar das Einzige. Mit ihren zahlreich vertretenen und fein abgestimmten Grundstimmen sowie den charakteristischen Soloregistern eignet sie sich hervorragend für die Interpretation der Musik des ausgehenden 19. Jh. und der folgenden Jahrzehnte. Das architektonische Zusammenspiel von Orgel, freistehendem Spieltisch und Empore in der fast gleichzeitig entstandenen Kirche mit ihrer ebenfalls zeittypischen Ausmalung ist von beeindruckender Wirkung und unterstreicht den Charakter eines Gesamtkunstwerkes.

 

Pneumatische Traktur

Die pneumatischen Traktur ist ein zeittypisches System. Die Verbindung von Taste zur Pfeife geschieht mittels Luftdruck. Die Ventile werden damit geöffnet und geschlossen. Dieses System gewährleistet eine seidenweiche Ansprache und eine optimale Vermischung der Klangfarben, was für das spätromantische Klangbild sehr wichtig ist. Die dabei auftretende berühmte Verzögerung ist eine Folge des Systems da Luft komprimierbar ist. Diese Verzögerung ist in St. Anton erheblich, steht doch der Spieltisch mitten auf der Empore und ist damit der für den Luftstrom zurückzulegende Weg ist ziemlich lang. Im Gegensatz zu moderneren Instrumenten verfügt diese Orgel keine Setzervorrichtung, welche eine Vorausprogrammierung der gewünschten Registerkombinationen ermöglichen würde. Es darf bzw. muss alles von Hand geändert werden, was die etwas längeren Pausen zwischen den einzelnen Werken erklärt. Der nachträgliche Einbau eines solchen Systems würde den historischen Spieltisch zerstören und hätte erhebliche weitere Auswirkungen auf die Funktionsweise, weshalb wir darauf verzichtet haben. Fernwerk Bei der Restauration im Jahre 2002 wurde das schon 1914 geplante aber nie ausgeführte Fernwerk mit vier Registern ergänzt. Dabei konnten die im Spieltisch von Anfang an vorgesehenen Registerzüge und Schaltungen benutzt werden. Dieses Fernwerk steht rund 40 Meter von der Hauptorgel entfernt hinter dem Altar und wird elektrisch angesteuert. Als Besonderheit kann die Vox Humana des Fernwerkes mit einer dynamischen Vorrichtung gespielt werden. Das heisst, dass zusätzlich zum Jalousieschweller auch die Windzufuhr verändert werden kann. Damit ist eine stärkere dynamische Abstufung möglich.

 

Weitere Angaben zum Instrument und zu unseren Evensongs und Konzerten finden Sie auf unserer Homepage https://st-anton-zuerich.ch/angebote/kirchenmusik/ und https://st-anton-zuerich.ch/unsere-kirche/unsere-orgel-ein-instrument-von-seltenheitswert/ Musikbeispiele auf unserem Youtube Kanal „organatics“ unter der URL: https://www.y-outube.com/channel/UCKY89ajDZDpRyeb7JbB1cmw